Geist

Vom Verstand zum Mind – Wie wir im Alter mental stärker werden können

In diesem Posting geht es mir um einen echten Paradigmenwechsel: vom reinen Erhalt unserer mentalen Leistungen im Alter zur echten Entfaltung!

Wir hören überall: „Trainiere dein Gehirn, um den Abbau zu verlangsamen!“ Das klingt wie ein Kampf gegen das Unvermeidliche! Doch was, wenn das Altern nicht nur eine Herausforderung, sondern eine neue Chance für unsere mentale Entwicklung bietet? Statt uns nur auf den Erhalt kognitiver Fähigkeiten zu beschränken, können wir unser Gehirn neu nutzen, unsere Intuition, Weisheit und Kreativität entfalten und geistig weiterwachsen. Es geht nicht darum, weniger zu verlieren – sondern darum, mehr zu gewinnen. Wir sollten uns daher fragen: Wie kann ich mein geistiges Potenzial im Alter wachsen lassen und voll ausschöpfen?

Take away

  • Geistiges Wachstum endet nie – Unser Gehirn kann sich bis ins hohe Alter weiterentwickeln.

  • Vom Wissen zur Weisheit – Intuition, Weitblick und Bewusstsein gewinnen an Bedeutung.

  • Begeisterung ist der Schlüssel – Emotionale Stimulierung fördert geistige Fitness.

  • Meditation schafft Balance – Sie stärkt die rechte Gehirnhälfte und verbessert kognitive Funktionen.

  • Innerer Dialog formt Realität – Ersetze „Ich werde vergesslicher“ durch „Ich werde smarter“!

 

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PARADIGMENWECHSEL: VOM GEISTIGEN ERHALT ZUR GEISTIGEN ENTFALTUNG IM ALTER!

Auf wenig anderes sind wir so stolz wie auf unseren Verstand und unser Wissen! Von klein auf werden wir darauf getrimmt, dass viel Wissen und ein scharfer Verstand die höchsten Güter sind und daher werden wir auch nach unserer Denkleistung und unserem Intellekt beurteilt. In der Schule, während der Ausbildungszeit und das ganze Berufsleben lang ist es darum gegangen Wissen anzusammeln, gute, rationelle Entscheidungen zu treffen oder Expertise zu beweisen. Die Gedanken, die wir uns im Lauf unseres Lebens gemacht haben, prägen heute unsere Persönlichkeit zumindest zu einem großen Teil. Und so ist auch die Angst groß, dass wir Denken, Verstand und Ratio im Alter verlieren könnten.

Ich habe viel zu den Themen geistige Fitness und Mental Self Care im Alter recherchiert und traf dabei auf unzählige deprimierende Statistiken über den Abbau der mentalen Fähigkeiten und über den Vormarsch von Demenzerkrankungen in unserer Gesellschaft. In Deutschland sind derzeit 1,8 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, das sind 8,5 % aller Personen über 65 [2] und diese Zahl soll sich bis 2050 nahezu verdoppeln! Umfragen haben ergeben, dass mehr als jeder zweite (!) Angst hat, im Alter an Demenz zu erkranken, also vor dem Verlust unseres Verstandes! [3] Was für eine deprimierende Ausgangslage!

Weiters findet man auch viele Methoden und Übungen, wie man dem geistigen Abbau begegnen kann. Selbst die EU hat einen EU-Compass for Action on Mental Health and Well-being herausgegeben. Es gibt viele gute Programme und viele Übungen und sie sind mit Sicherheit gut, aber für mich als älteren Menschen war nichts dabei, was mich so richtig begeistert hat. Denn für mich liegt der gesamte Fokus viel zu sehr nur auf dem maximalen Erhalt der kognitiven Leistungen, also darauf, dem Abbau bestmöglich entgegenzuwirken. Dieser einseitige Fokus klingt für mich wie ein Kampf, den man nicht gewinnen kann.

Ich habe dazu ganz andere Gedanken

Was wäre, wenn unsere geistige Entwicklung jetzt nochmal so richtig los geht?
Was wäre, wenn wir im Alter unser Gehirn völlig neu zu benützen lernen?
Was wäre, wenn wir im Alter unsere mentalen Leistungen zu neuen Höhen führen könnten?
Was wäre, wenn wir tatsächlich vom Wissen zur Weisheit wechseln können und damit auch für Junge interessant bleiben?

Für mich ist das sehr real und vor allem alternativlos! Ich möchte definitiv nicht meine Zeit hier in diesem Leben mit Sudoku oder sonstigen Spielen verbringen (auch wenn ich sie ehrlicherweise manchmal selber gerne mache). Der Weg heißt für mich vom Verstand zum Mind und öffnet das Tor zu unseren Weisheitsjahre.

WORIN LIEGT DER UNTERSCHIED ZWISCHEN VERSTAND UND MIND?

Der Begriff MIND kommt aus dem Englischen und ich verwende ihn, weil es dafür im Deutschen keinen gleichwertigen Begriff gibt. Der Unterschied ist kurz zusammengefasst: Während der Verstand sich hauptsächlich auf kognitive und analytische Fähigkeiten konzentriert und mit dem Gehirn (insbesondere dem Frontallappen) assoziiert wird, umfasst der Mind das gesamte Spektrum mentaler Aktivitäten, einschließlich Emotionen, Wahrnehmungen, Intuition und Bewusstsein, spirituelle Erfahrungen und lässt sich nicht ausschließlich auf das Gehirn beschränken. Manchmal verwendet man im Deutschen dafür den Begriff Geist, der aber auch völlig unterschiedlich interpretiert wird. Für mich steht der Geist über dem MIND und umfasst die höheren Ebenen des Bewusstseins. [4]  MIND beinhaltet also viel mehr als der rationale Verstand und man kann ihn trainieren.

UNSERE GEHINRHÄLFTEN – DER MEISTER UND SEIN DIENER

Ian McGilchrist, britischer Psychiater, Neurowissenschaftler und Philosoph, zeigt mit seinen Forschungen, dass die zwei Gehirnhälften zwar dieselben Grundfunktionen erfüllen, aber auf sehr unterschiedliche und komplementäre Weise. [5] Wie wir die Welt interpretieren und erleben, hängt davon ab, ob diese beiden Gehirne im Gleichgewicht arbeiten oder ob eines von ihnen dominant ist. Das wiederum prägt die Welt, in der wir leben. „Die beiden Hemisphären haben jede für sich einen eigenen Stil, eine eigene Sicht auf die Welt, wenn man so will. Sie sehen die Dinge unterschiedlich. Sie setzen unterschiedliche Prioritäten. Sie haben unterschiedliche Werte[6]

 

Rechte Hämisphäre ist links, linke Hämisphäre ist rechts

RSA ANIMATE: The Divided Brain [7]

 
  • Die linke Hemisphäre (die McGilchrist als "Emissary“, als Abgesandter, bezeichnet) ist analytisch, detailorientiert und neigt zu abstraktem, kategorisierendem Denken, bringt fokussierte Aufmerksamkeit zum Detail - begreift Dinge.

  • Die rechte Hemisphäre (die er als „Meister“ bezeichnet) – mit ihrer breiten, wachsamen Aufmerksamkeit stellt die Beziehung zum Umfeld dar. Sie hat einen ganzheitlichen, intuitiven Zugang zur Welt und erfasst Komplexität, Kontext – versteht Zusammenhänge.

In unserer modernen, westlichen Welt dominiert der Fokus auf die linke Hemisphäre – die ich mit dem VERSTAND assoziiere. Unsere ganze Schulbildung und beruflichen Herausforderungen sind dadurch geprägt. Diese Dominanz führt zur fragmentierten, mechanistischen Weltsicht, die das Ziel im Detail und nicht in der Ganzheitlichkeit sucht. McGilchrist argumentiert, dass diese Dominanz der linken Hemisphäre sogar potenziell negative Folgen für unsere Kultur und unser Verständnis der Realität hat und plädiert für eine Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen den Hemisphären, um eine ganzheitlichere und bedeutungsvollere Wahrnehmung der Welt zu ermöglichen – ich assoziiere das mit dem Begriff MIND.

 

RSA ANIMATE: The Divided Brain

 

“The intuitive mind is a sacred gift.
The rational mind is a faithful servant.
We have created a society that honors the servant
but has forgotten the gift.”
— Albert Einstein

WIE KOMMEN WIR VOM VERSTAND ZUM MIND?

Hier spielt die Meditationspraxis wieder einmal eine entscheidende Rolle. Viele meditative Praktiken fördern die rechte Hemisphäre. Bestimmte Bereiche werden vergrößert und aktiver als sie es sonst wären, wie man mit EEG gut nachweisen kann. Vor allem aber führt sie zu einer Balance der Gehirnhälften, also die Integration von kreativem, analogem Denken zu analytischem Denken. Meditation kann zur Verbesserung der kognitiven Funktionen beitragen, indem sie die Dichte der grauen Substanz im Gehirn erhöht. Die graue Substanz ist für die Verarbeitung von Informationen, das Gedächtnis und die Entscheidungsfindung verantwortlich.

Für mich sind die folgenden drei Punkte die wichtigsten Zutaten für die Entwicklung zum Mind.

Begeisterung – Wie ich schon in einem eigenen Post beschrieben habe, ist nach Gerald Hüther (Neurowissenschaftler) die Begeisterung der Dünger für das Gehirn. Unser Gehirn ist lebenslang lernfähig, es ändert sich durch Umbauprozesse permanent bis ins hohe Alter. Allerdings ist das Gehirn weder eine Maschine, noch kann man es wie einen Muskel trainieren, sondern es braucht eine emotionale Stimulierung. Begeisterung sendet jene Botenstoffe aus, die die Umbauprozesse anstoßen damit neue Netzwerke aufbaut werden. Wenn diese Voraussetzung – also Begeisterung – nicht zustande kommt, passiert auch nichts im Gehirn! Menschen, die lustlos in eingefahrenen Verhaltensmustern leben, schaffen keine Regeneration und keinen Wiederaufbau. Schon aus diesem Grund können wir uns doch nicht damit zufriedengeben, unsere mentalen Leistungen im Alter bestenfalls zu erhalten!

Meditation und Achtsamkeit – ich habe schon so oft über Meditation gesprochen, aber bitte erlaubt mir, dass ich es einfach immer und immer wieder sage: Es ist die Meditationspraxis, die den Monkey Mind [8] zur Ruhe bringt, die die rechte Gehirnhälfte stimuliert und dir, und uns allen, spirituelle und intuitive Erfahrungen ermöglicht. Das ist es, was wir speziell auch im Alter dazulernen können, wenn wir uns vom Verstand zum Mind entwickeln wollen.

Genau das hat auch das EU Forschungsprojekt Silver Santé Study [9] gezeigt: regelmäßig meditierende Personen über 65 haben deutlich bessere kognitiven Leistungen als nicht Meditierende. Insbesondere die Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit und der emotionale Zustand sind viel besser. Diese Forschungsergebnisse zeigen auch, dass durch regelmäßige Meditation das Demenzrisiko verringert werden kann!

Neues suchen und ein positiver innerer Dialog – Im eigenen Meer der Glaubenssätze zu verharren, macht alt. Alterslos sind wir nur, wenn wir immer wieder aus dem Konstrukt unserer Glaubenssätze ausbrechen. Also wenn wir uns dazu bereit erklären, die Welt auch einmal ganz anders zu sehen und zu erleben - auch oder besonders dann, wenn es sich ungewöhnlich anmutet.

Wenn du dein Gehirn optimal nützen möchtest, darf es nicht mit negativen Gedanken oder einschränkenden Glaubenssätzen zugemüllt sein, denn dann dreht es sich nur mehr um sich selbst. Beobachte dich einmal beim Denken: Wie schätzt du die Qualität deiner Gedanken ein, das sind übrigens 60.000 bis 80.000 pro Tag! Sind sie überwiegend neutral, negativ oder positiv? Welche Grundstimmung erzeugen sie, eine eher optimistische, lösen sie Freude, Zuversicht, Vertrauen aus oder sind sie eher pessimistisch? Welche Gedanken gehen im Kreis, ohne dass du einen Ausweg findest? Beziehen sich deine Gedanken überwiegend auf die Vergangenheit, die Zukunft oder das Jetzt? Erhöhen sie deine Energie oder ziehen sie dich runter?

Hier die Statistik: 95% aller unserer Gedanken sind repetitiv und bringen nichts Neues! Im Normalfall überwiegen die neutralen Gedanken, gefolgt von negativen Gedanken. Positive Gedanken sind der geringste Anteil, wenn man sich nicht bewusst darauf fokussiert.[10] Erstaunlicherweise fällt uns das nicht immer leicht, und nicht selten hat daher der Innere Dialog eine negative oder kritische Note.

Tipp: Wenn du deinem Inneren Dialog auf die Schliche kommen willst, dann sprich eine Zeitlang immer wieder deine Gedanken aus! Das kann ganz leise sein, aber hör dir dabei zu. Du wirst merken, dass das gar nicht so einfach ist. Denn dein Innerer Dialog ist oft so viel schneller und unterschwellig. In jedem Fall wirst du ein Gefühl für deinen Gedankenstrom bekommen und manchmal kannst du gleich mit einer Gegenfrage, einem positiven Statement oder Affirmation dagegen anreden.

Grundvoraussetzung für unser Wohlbefinden und unseren mentalen Aufbruch sind ein unterstützender und freundlicher innere Dialog. Daher hat der Gedanke Ich werde immer vergesslicher keinen Platz mehr in deinem Kopf und du solltest ihn schleunigst durch Ich werde immer smarter ersetzen! 😊

Es ist zugegebener Weise nicht ganz leicht, aus einer Gedankenroutine auszubrechen. Es gehört viel Achtsamkeit dazu und man muss sich immer und immer wieder an der Nase nehmen, dem Gedankenkarussell ein STOP verordnen und die Aufmerksamkeit in die Richtung lenken, die einen mit Freude erfüllt. Aber es lohnt sich allemal!

AUFBRUCH IN UNSERE WEISHEITSJAHRE

Mit diesem Paradigmenwechsel beginnt der Aufbruch in unsere Weisheitsjahre. Wenn wir uns in den Weisheitsjahren vom Verstand zum MIND entwickeln, erweitert sich unsere Sichtweise automatisch und wir nützen viel mehr Bereiche unseres Gehirns. Wir können also im Alter ganz bewusst jene Fähigkeiten ausbauen, die zu Intuition, Weitsicht und gelassener Reflexion etc. führen, alles Fähigkeiten, die auch unsere Gesellschaft dringend braucht. Zusätzlich bringt uns das Alter – bewusst erlebt - neue positive Erlebnisse und Erkenntnisse, die man davor noch nicht kannte und die auch nur im Alter erlebbar sind.

Das bezeichne ich als den Weg vom Verstand zum Mind – vom Wissen zur Weisheit. Vielleicht ist das auch ein Ansatz, der dich begeistern könnte?

As we begin to navigate the wisdom years,
we begin to move out of the sphere of achievement and ambition
into the sphere of enjoyment and appreciation
and opening to the wonder of it all.
- Joseph Campbell

Herzlichst
Helga

[1] Mercedes Benz Left Brain Right Brain print ads  

[2] DZNE Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V.Fakten zu Demenz Stand 2024

[3] DAK Gesundheit: Deutsche haben immer mehr Angst vor Krankheiten 2024

[4]  Der Begriff Geist wird je nach Wissenschaft sehr unterschiedlich definiert: in der Medizin und Neurowissenschaften als Produkt der Gehirnfunktionen, in der Psychiatrie und Psychotherapie als Gesamtheit der psychischen Funktionen, in der Psychologie als Summe aller mentalen Prozesse und Verhaltensweisen und in der Theologie und der Energetik wird der Geist in einem spirituellen, transzendenten Kontext verstanden als göttlicher Geist, Seele, Teil einer höheren Ordnung der Realität, der über das Physische hinausgeht. In der Philosophie werden verschiedene Positionen diskutiert, vom Dualismus (Geist und Materie als getrennte Substanzen) bis zum Materialismus (Geist als Produkt physischer Prozesse) – Wenn man von Körper – Seele – Geist spricht, versteht also jeder etwas anderes darunter!

[5] Ian McGilchrist: The Master and his Emissary (2009), The Matter with Things (2021)

[6] CBC/Radio Canada: Neuroscientist argues the left side of our brains have taken over our minds  2021

[7]  RSA ANIMATE: The Divided Brain 2011

[8] Von einem Monkey Mind spricht man, wenn einen Sorgen, Gedanken, Befürchtungen, Grübeleien, Ängste, Aufgaben plagen und diese unkontrolliert durch den Kopf rasen, Er symbolisiert eine Horde von Affen, die wild herumhüpfen, sich von Ast zu Ast schwingen, kreischen und für unangenehme Unruhe sorgen.

[9] Medit-Ageing / Silver Santé Study - Investigating the impact of meditation training on mental health and wellbeing in the ageing population. Eine französische Studie unter der Leitung von Dr. Gael Chetelat - koordiniert vom französischen INSERM

[10] Lynn McTaggart – Power of 8 Masterclass 2021

Jour Fixe mit dem Inneren Kernteam

 „Körper-Seele-Geist in Einklang bringen“, das klingt so simpel, so klar, so als wüssten alle genau, was damit gemeint ist. Wisst Ihr das? Was bedeutet das für Euch? Und was bringt es, die alle in Einklang zu bringen?

Wie unterschiedlich das Menschen sehen können, ist mir erst klar geworden, als ich im Rahmen des Projektes MITEINANDER [1] den Arbeitskreis „Zusammenarbeit von Ärzten- Psychotherapeuten- Energetikern um gesund und vital alt zu werden“ geleitet habe. Alle hatten ein gänzlich anderes Bild davon, speziell was die Begriffe Seele und Geist anbelangt. In der Medizin ist die Seele nicht existent und Geist ist das was das Gehirn leistet. In der Psychotherapie wird der Begriff Seele synonym mit Psyche verwendet und bezieht sich auf Gefühlsregungen und Emotionen. Geist adressiert meist den Verstand. C.G Jung hat aber auch noch die geistige Ebene des Höheren Selbst, sowie kollektive, geistige Ebenen definiert. In der Energetik wird unter Seele die Essenz eines Menschen verstanden, ein vom Körper unabhängiges Informationsfeld, das ihn ausmacht und Geist als Bewusstsein bis hin zur universellen Energie, von der jeder Mensch ein Teil ist.

In jedem Fall drücken diese 3 Begriffe aus, wie man sich selber sieht und welche Möglichkeiten man anerkennt, um das Leben und den Körper zu steuern.

Daher möchte ich heute der Frage des Philosophen Richard David Precht nachgehen und euch mein energetisches Bild dazu zeigen.

Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?
Richard David Precht

Take away

  • Bevor man über Körper-Seele-Geist spricht: frag nach, was darunter verstanden wird

  • Die Beschäftigung mit den inneren Instanzen gehört zum Job im Alter

 

Photo by Josh Calabrese on Unsplash

 

DAS INNERES KERNTEAM

Das INNERE KERNTEAM ist für mich so etwas wie ein inneres Betreuer-Team, das in allen Lebenssituationen und Lebensphasen wegweisend ist. Der Körper ist gewisser Maßen das Boot im Foto, das von vielen inneren Instanzen gesteuert wird. Daher ist für mich die Auseinandersetzung mit ihnen so wichtig, weil sie unmittelbare physische Auswirkungen haben, die ganz besonders im Alter mehr und mehr sichtbar werden. Sie sind die „Hintermänner“ im Körper und haben das eigentliche Sagen.

Für all die folgenden Begriffe gibt es unendlich viele Deutungen. Daher nehme ich es pragmatisch und wähle Formulierungen, die es mir möglich machen zu erkennen, wer gerade das Sagen hat und wer was ändern kann. Dieses Bild über das INNERE KERNTEAM ist für mich über viele Jahrzehnte gewachsen und geht, wie Ihr sehen werdet, über die Begriffe Körper-Seele-Geist hinaus.

Zum Innere Kernteam gehören für mich:

  • Höheres Selbst      – der unsterbliche Eigentümer

  • Seele                       – der CEO & Zeitenwanderer

  • Innerer Coach        – der neutrale Beobachter

  • Verstand                 – der Denker, Planer & Erwachsene

  • Ego                          – das Selbstbild & der Selbstdarsteller

  • Inneres Kind           – die Lebensfreude & unterbewusste Programme

DAS INNERE KERNTEAM UND SEINE AUFGABEN IM ALTER

Höheres Selbst – der unsterbliche Eigentümer
Es ist unser ewiges ICH, eine zeitlich und räumlich unbegrenzte Kraft und verbunden mit allem, was ist. Nachdem es zu seiner Existenz keine wissenschaftliche Erklärung gibt und geben kann [2], liegt es mehr in der Vorstellung von jedem selbst, sich ein Bild vom Höchsten Selbst zu machen. Wenn wir uns in Ruhe und Einkehr diesem Höheren Selbst zuwenden, erhalten wir eine Weisheit, die viel umfassender ist als das, was wir in der materiellen Welt erleben oder über rationales Denken erfassen können. Alleine dadurch kommt eine Gefühl von Sicherheit, Verbundenheit und Geführt-Sein, das mithilft, Frieden und tiefe innere Liebe zu finden. Je älter wir werden, desto wichtiger scheint mir diese Ausrichtung.

Seele – der CEO & Zeitenwanderer
Wie oft sprechen wir von der Seele, ohne genau zu wissen, was wir damit meinen: „Mir liegt etwas auf der Seele. Du sprichst mir aus der Seele. Sich alles von der Seele reden. Den Seelenfrieden finden; ...“. Offensichtlich wissen wir alle, dass Etwas in uns ist, das eine besondere Stimme hat. Der Begriff selbst ist, wie ich oben bereits geschrieben habe, höchst unterschiedlich definiert bzw. anerkannt. Für mich ist die Seele der inkarnierte Anteil meines Höheren Selbst. Also ein Teil, der in dieser Welt Erfahrung machen möchte. Dazu bringt sie, ähnlich wie ein CEO, Lebensaufgabe und Bedingungen sowie Erfahrungen aus früheren Leben ein und sucht Ahnenlinien von Mutter und Vater, also meinen Körper im jetzigen Leben. Die Erfahrungen während dieses Lebens nimmt die Seele dann nach dem Tod mit.  Daher liegt für mich der Sinn des Lebens primär darin, Erfahrungen zu machen. So gesehen ist das Leben voll interessanter Entdeckungen für die Seele. Mit dem Tod verlässt sie den Körper und wechselt wieder in eine höhere Dimension. Wenn man sich mit der Seele beschäftigt (z.B. das Konzept des Seelenalters oder die Chakrenarbeit), bekommt man eine Vorstellung von der eigenen Lebensaufgabe. Und schon allein das Wissen um ihre Existenz und um unsere eigene spirituelle Dimension nimmt dem Tod den Aspekt des Endgültigen.

Innerer Coach – der neutrale Beobachter
Dieses Mitglied des Kernteams ist nicht so bekannt, hat aber aus meiner Sicht eine ganz wichtige Position. Es ist eine Art neutrale Instanz, die uns hilft, in schwierigen Situationen Abstand zu nehmen, sodass wir weniger emotional oder rational sondern weiser agieren.

Wenn wir emotional reagieren spulen wir blitzschnell alte Muster ab, auf die wir kaum Einfluss nehmen können und die nicht immer gut sind. Der Verstand andererseits setzt auf analytische, logische Ketten, ist dafür jedoch viel langsamer und auch nicht immer treffsicher. Der Innere Coach hingegen beobachtet die Situation aus einer übergeordneten, neutralen Position: Was läuft denn da gerade ab? Er spürt und sieht aus der Ruhe und Neutralität Zusammenhänge auf vielen Ebenen, auch außerhalb des Alltäglichen und Rationalen. Er schöpft aus unserem kreativen Potenzial um sich auszudrücken und das Ergebnis seiner Arbeit sind unmittelbare, klare Bilder oder Einsichten. Aus dieser Position sind ganz andere Lösungen möglich als der Verstand oder die Emotionen liefern können. Das verstehe ich unter weise.

Den Inneren Coach zu aktivieren ist eine reine Übungssache und je öfter man ihn befragt, desto weiser können wir agieren. Achtsamkeitsübungen helfen, diese Stärke auszubauen.

Verstand – der Denker & Planer, der Erwachsene
Auf wenig anderes sind wir so stolz wie auf unseren Verstand und unser Wissen. Von klein auf werden wir darauf getrimmt, dass viel Wissen und ein scharfer Verstand die höchsten Güter sind. Und so spielt sich unser Verstand oft als der Größte im Team auf - was er tatsächlich aber nicht ist! Die eigentliche Aufgabe des Verstandes ist es für Ordnung, Struktur und Orientierung zu sorgen. Er hilft uns beim Analysieren, planvollen Handeln, bei Vorsorge und beim Umsetzen. Er ist ein perfekter Buchhalter und Stratege, aber wenn es um spirituelle Themen geht, kommt der Verstand an seine Grenzen. Im Grunde bin ich ein großer Fan des Verstandes, habe aber in vielen Jahren Meditation gelernt, dass es Sinn macht, ihn immer wieder in die Schranken zu weisen und das Denken auszuschalten, um die anderen Teammitglieder stärker zu Wort kommen zu lassen.

Nach Umfragen in Deutschland hat jeder zweite Angst vor Demenz, also vor Verlust des Verstandes.[3] Alleine die Angst vor etwas kann bereits viele Einschränkungen auslösen, weil die energetische Versorgung dadurch blockiert wird. Das Bild und die Arbeit mit dem inneren Kernteam kann viel dazu beitragen, dass genau diese Angst verringert wird und das wiederum wirkt sich positiv auf unsere kognitiven Leistungen aus,

EGO – das Selbstbild & der Selbstdarsteller
Das EGO ist vermutlich das schwierigste Teammitglied, wenn es um die 2. Lebenshälfte und das Alter geht. Es sieht sich als das einzige ICH (was es ebenfalls nicht ist!) und bestimmt wie wir uns verhalten und fühlen. Der Alterungsprozess als solches und die Veränderungen des Körpers, der Schönheit, Fitness und Status treffen ein ausgeprägtes EGO besonders hart, weil es von Vergleichen lebt. Wenn es sich über Aussehen (Jugendlichkeit), Job, Vermögen oder Anerkennung definiert, braucht das Ego im Alter daher eine starke Anpassung, die nicht immer leicht ist. Kommt es damit nicht zurecht, ist es abwertend und kann so destruktiv gegen den eigenen Körper wirken.

Ich empfehle jedem, zu Beginn der Pension dem Ego besonders einfühlsame Beachtung zu schenken, damit es mit der neuen Situation besser zurecht kommt. Praktisch heißt das, sich ein positives Bild vom Alter zuzulegen und Vorbilder zu suchen, die das Neue verkörpern. Zusätzlich gilt es, sich mit der Frage auseinander zu setzen: Wer bin ich, wenn ich die bisherige berufliche Rolle nicht mehr habe oder den Sport nicht mehr machen kann, oder nicht mehr in Kleidergröße 36 passe, oder wenn ich das Bisherige nicht mehr machen oder haben kann?“  Kläre mit dem Ego welche Bedürfnisse jetzt wichtig sind und probiere auch Neues aus, das dein Ego positiv überrascht.

Inneres Kind – die Lebensfreude & unterbewusste Programme
Das Innere Kind steht symbolisch für zwei Persönlichkeitsaspekte: unsere kindliche Lebensfreude und die emotionalen Muster und Glaubenssätze, die wir als Kind aufgrund von unzähligen Reaktionen auf Erlebnisse im Unterbewusstsein abgespeichert haben.

 
 

Das glückliche Innere Kind ist voll kindlicher Neugier, Begeisterungsfähigkeit, Staunen, Lebendigkeit, Spontaneität, liebt Abenteuer und ist ganz im Hier und Jetzt. Diese Potenziale sind ein Leben lang in uns vorhanden und können jederzeit aktiviert werden. Genau dieses Innere Kind darf und soll jetzt, im Alter,  wieder intensiv zum Vorschein kommen. Daher widme Dich immer wieder den Fragen: Was löst im mir große Freude aus? Woran habe ich richtigen Spaß?  Und gib dem auch ausreichend Raum. (siehe Post: Abheben – Darum brauchen wir Vergnügen, Humor und Spaß)

 
 

Das Innere Kind hat aber auch negative Erfahrungen gemacht. Z.B hat es Ängste, Verletzungen und Zurückweisung erlebt oder vielleicht wurde die Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung und bedingungsloser Annahme nicht gestillt. Ich spreche hier gar nicht von großen traumatischen Erlebnissen. Oft sind es die kleinen, wiederholten Situationen, die langfristig hängen bleiben, wie Streit, Spott anderer Kinder oder Angst vor Autoritätspersonen, um nur einige zu nennen!  Mit all dem musste das Kind zurechtkommen und hat sich zum Schutz bestimmte Verhaltensmuster zugelegt. Verletzte Innere Kinder drücken sich durch Traurigkeit, Angst, Frustration, Ärger, Neid, eventuell Aggression oder Abhängigkeiten aus.

Nach 5 oder 6 Jahrzehnten scheinen all diese früh angelegten Eigenschaften wie selbstverständlich zur eigenen Persönlichkeit zu gehören und werden unter dem Aspekt „Ich bin halt so!“ oft akzeptiert. Wir glauben zwar, wir reagieren rational und logisch, aber in Wirklichkeit ist es das Unterbewusstsein und damit auch das Innere Kind das wesentlich schneller reagiert, als der Verstand das kann.[4] Nur, mit 60Plus ist dieses Verhalten zumeist weder notwendig, noch sinnvoll. Auch ein negatives Selbstbild wie z.B.: „Ich bin nicht gut genug, Ich verdiene es nicht., Ich muss immer helfen!“  brauchen wir im Alter nicht mehr.

„Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit!“ [5]

Sowohl energetisch als auch psychologisch ist es möglich sich mit dem Inneren Kind zu befassen und sich von belastenden Mustern zu befreien, die im Alter nicht mehr sinnvoll und passend sind. Sich dafür Unterstützung zu suchen ist Prävention pur, denn anhaltende negative Emotionen sind Hauptverursacher von Krankheiten.

JOUR FIXE MIT DEM KERNTEAM

Alle inneren Teammitglieder arbeiten autonom und wirken permanent im Hintergrund. Im Grund brauchen wir uns nicht um sie zu kümmern. Aber wir können uns mit jedem einzelnen intensiv auseinander setzen. Je nachdem, was sich gerade im Alltag zeigt, kann z.B. Achtsamkeit den Inneren Coach auf den Plan rufen oder man sorgt für eine Korrektur für´s EGO, wenn man merkt, dass man sich selbst abwertet oder geht einem häufigen, emotionalen Trigger nach. All das ist allerdings keine einmalige Angelegenheit, sondern gehört viel mehr in einen Jour Fixe. So wie wir es im Beruf auch gewöhnt waren uns regelmäßig zu treffen und zu überlegen: „Was steht an? Was können wir besser machen? Wo geht´s weiter.“  Wenn wir uns auf die Team-Mitglieder einstellen, kommen ganz von selber neue Ideen, Bilder oder Botschaften – und der eigentliche Nutznießer ist der Körper und damit unsere Gesundheit. Nimm Dir also echt Zeit dafür - ich wünsch Dir schöne Jour Fixes!

Herzlichst
Helga

[1] PROJEKT MITEINANDEER – IDEE Initiative f. dynamische Persönlichkeitsentwicklung (2019-2021). https://www.idee.co.at/index.php/miteinander-statt-gegeneinander.html

[2i Johannes HUBER: Woher wir kommen. Wohin wir gehen. Die Erforschung der Ewigkeit. edition a 2018 (Seite 14)

 [3] Studie des Allensbach-Instituts im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung (glh)- Jänner 2020 https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/demenz-kriegsangst-umfrage-sorgen-deutsche-100.html

[4] KAHNEMANN Daniel : Schnelles Danken – Langsames Denken; Siedler Verlag; München (2012)

[5] Dieser Satz wird sowohl Erich Kästner, als auch Milton Erickson, dem Begründer der modernen Hypnotherapie, zugesprochen