Achtsamkeit

Der UN-World Meditation Day 2024: Meditation verändert die Welt

Meditation erhält eine neue, weltweite Aufmerksamkeit!

Die UN-Generalversammlung hat den 21. Dezember 2024 zum ersten World Meditation Day erklärt, um das Bewusstsein für den Wert dieser jahrtausendealten Praxis für unsere physische und mentale Gesundheit und darüber hinaus zu schärfen.

Als ich vor über 20 Jahren begonnen habe, mich mit Meditation zu beschäftigen, war das noch etwas Exotisches und oft nur im buddhistischen Kontext verankert. Heute hingegen gehört Meditation – vor allem in Form von Achtsamkeitsübungen – zu den wichtigsten Praktiken, um den Stress des Alltags zu bewältigen und das ständige Gedankenkarussell oder den Monkey Mind zur Ruhe zu bringen.

Für mich als Energetikerin ist Meditation ohnedies das grundlegende Werkzeug, das es ermöglicht, in völliger Entspannung einen Zustand der Verbundenheit und Intuition zu erreichen. Die jahrelange Praxis hat mir so viele positive Erfahrungen gebracht, dass ich mittlerweile seit einigen Jahren selbst Meditationsabende leite.

Diese vielen positiven Auswirkungen von Meditation sind in den letzten Jahrzehnten umfangreich untersucht und dokumentiert worden. Besonders bemerkenswert ist jedoch, dass die UN die Meditation nicht nur als Instrument für die individuelle Gesundheit betrachtet, sondern auch als ein wirksames Mittel, um Frieden in der heutigen Welt zu fördern. Auch die Wahl des Datums – die Wintersonnenwende – ist wohl kein Zufall, denn seit jeher symbolisiert sie den Beginn von „neuem Licht“.

In meinem Blog habe ich schon vielfach die positiven Effekte von Meditation beschrieben, sowohl für den Einzelnen (z. B. Entspannung hoch 3 gehört zum Repertoire, Hast du genug Energie, der Selbstliebe mehr Raum geben) als auch für andere (z. B. Unsere Herzen sprechen miteinander, Möge es dir gut gehen). Heute möchte ich den Aspekt der UN aufgreifen: Nämlich die Idee, dass wir durch Achtsamkeit und Meditation nicht nur unser persönliches Wohlbefinden steigern, sondern damit auch Einfluss auf das Weltgeschehen nehmen können. Für mich ist dies eine schöne Aufgabe, die gerade auch für uns Senioren und selbst im hohen Alter noch möglich ist.

Aus Anlass des UN World Meditation Days möchte ich daher alle bestärken, die diese Praxis bereits in ihren Alltag integriert haben, dann jene, bei denen sie mit der Zeit „eingeschlafen“ ist animieren, sie wieder aufzunehmen und schließlich all jene, die bisher damit noch keine Erfahrung gemacht haben motivieren, es auszuprobieren.

Takeaway

  • Die UN erklärt den 21. Dezember zum World Meditation Day, um das Bewusstsein für die positiven Auswirkungen von Meditation auf unsere Gesundheit und die Welt zu schärfen.

  • Meditation ist ein kraftvolles Werkzeug für alle Altersgruppen – besonders für Senioren, die durch regelmäßige Praxis nicht nur ihre eigene Lebensqualität verbessern, sondern auch aktiv zur gesellschaftlichen Ruhe und Positivität und zum positiven Wandel beitragen können.

  • Nur durch innere Ruhe und inneren Frieden können wir äußere Ruhe und Frieden schaffen.

 

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„MEDITIEREN SIE FÜR IHR EIGENES WOHLBEFINDEN UND DAS ÜBERLEBEN UNSERES PLANETEN“

Es besteht kein Zweifel: Meditation bringt uns allen viele Vorteile und sie wird inzwischen auch im Gesundheitsbereich als wertvolles Werkzeug anerkannt. Die Vereinten Nationen betonen jedoch, dass die Motivation hinter dem World Meditation Day einen großen Schritt über das persönliche Wohlbefinden hinausgeht. Dazu möchte ich euch das Zitat auf der offiziellen Homepage geben:[1]

In times of global challenges, such as armed conflicts, climate crises and rapid technological advancements, meditation offers a powerful means to cultivate peace, unity and compassion.

World Meditation Day reminds us of the importance of nurturing human consciousness to address these issues and create harmony within ourselves and our communities.

By fostering inner peace through meditation, individuals contribute to building a more resilient and sustainable world for current and future generations.”

Zusammengefasst: In Zeiten großer globaler Herausforderungen bietet die Meditation ein wirkungsvolles Mittel, um Frieden, Einheit und Mitgefühl zu entwickeln. Durch die Förderung des inneren Friedens durch Meditation trägt jeder Einzelne dazu bei, eine widerstandsfähigere und nachhaltigere Welt für heutige und künftige Generationen zu schaffen.

Dieses Statement bietet eine vollkommen neue Sichtweise, denn sie geht weit über den privaten Stress-Release und die Entspannung hinaus, die wir oft mit Achtsamkeitsübungen verbinden.

Dass eine Organisation wie die Vereinten Nationen das Weltbild von Verbundenheit aufgreift, hat mich überrascht und gleichzeitig mit großer Hoffnung erfüllt. Überall gibt es Zeichen, dass die Welt im Umbruch ist - vielleicht ist das genau jenes Zeichen dafür, dass etwas sehr Positives entsteht! Wird Energetik zum Mainstream? Ich würde es mir wünschen! (Höchste Zeit für ein neues Weltbild).

VOM ICH ZUM WIR: MEDITATION ALS MOTOR FÜR GLOBALE VERÄNDERUNG

Ich möchte euch gerne ein paar Ideen geben, was das bedeuten könnte.

Durch die Meditation können wir neue Impulse im kollektiven Bewusstseinsfeld setzen, dem Informationsfeld, das uns miteinander und mit allem verbindet. Auch wenn wir diese Vernetzung im hektischen Alltag oft nicht wahrnehmen, hat sie eine messbare Wirkung, besonders wenn tausende von Menschen gleichzeitig meditieren. Dieses Phänomen wurde als Maharishi-Effekt [2] in vielen Studien untersucht. Gemeinsame Meditation fördert die Harmonie im kollektiven Bewusstsein.

Die erste Studie in den 1970er-Jahren hat gezeigt, dass eine regelmäßig meditierende Gemeinschaft messbare Verbesserungen der Lebensqualität bewirken und sogar die Kriminalitätsrate senken kann. Ein besonders beeindruckendes Beispiel ist ein Projekt von 2007 bis 2009, bei dem eine Gruppe von Meditierenden – nur ca. 1% der Bevölkerung – in mehreren US Großstädten die Gewaltverbrechen in diesem Zeitraum um 18,5% reduzierte. [3] [4]

Die Keimzelle für derartige Phänomene ist die Innere Kohärenz, (ein Gefühl von Stimmigkeit, Sinnhaftigkeit und das Vertrauen Herausforderungen meistern zu können) jedes Einzelnen. Wir brauchen den Frieden in uns für den Frieden im Außen. Und das ist echt eine Aufgabe! Wie oft beklagen wir die turbulenten Zeiten, aber wenn wir in uns hineinschauen, ist es da drinnen häufig nicht weniger aufgewühlt. Daher ist die Botschaft der UN:

Das WIR beginnt im ICH.

Ich war immer schon der Ansicht, dass Achtsamkeit nicht nur eine private Angelegenheit ist. Diese Haltung sollte auch in unseren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten verankert sein. Es reicht nicht aus, dass Unternehmen ihren Mitarbeitenden Achtsamkeitskurse anbieten, damit sie den täglichen Stress besser bewältigen. Deshalb habe ich das Buch Business Energetik geschrieben, um aufzuzeigen, wie Achtsamkeit und energetische Prinzipien die Geschäftswelt positiv verändern können, wenn Unternehmen Achtsamkeit in alle Bereiche und Aktivitäten einfließen lassen.

SENIOREN MEDITIEREN FÜR DIE GESELLSCHAFT

Das ist wie geschaffen für uns, quasi eine WIN-WIN Situation.

1.     Zur Selbstfürsorge und Prävention
Meditation unterstützt die Steuerung des Körpers, hilft bei akutem Bedarf ebenso wie präventiv, ist kostenlos, liegt in unserem ureigensten Bereich und es gibt weder ein Alterslimit noch eine Alterseinschränkung.

2.     Als Gesellschaftlicher Beitrag
Wir Senioren haben die Zeit und die Möglichkeit, mit unseren Meditationen und durch unsere innere Arbeit, einen Beitrag für Ruhe und Positivität in der Gesellschaft und für einen positiven Wandel zu leisten. Und auch dafür sind wir nie zu alt!

EIN EINSTIEG FÜR NEULINGE: MEDITATION LEICHT GEMACHT

Es gibt viele verschiedene Arten von Meditation, sodass jeder die Methode finden kann, die am besten zu ihm passt. Für Einsteiger empfehle ich sogenannte geführte Meditationen, die auch kurz sein können (5-10 Minuten). Dabei spricht eine Person einfache Anleitungen zur Entspannung, die auch mit entspannender Musik untermalt sein können. Zu Beginn werden die ideale Sitzposition (wenn der Lotos- oder Schneidersitz nichts für dich ist, dann bleib einfach auf deinem Sessel sitzen oder leg dich nieder) und der Fokus auf den Atem erklärt, es geht immer auch um die Entspannung im Körper und oft wird eine Bilderreise zu bestimmten Themen angeboten. Das Ende der Meditation – das „Zurückkommen“ – entspricht in etwa dem morgendlichen Aufwachen und hilft, sanft in den Alltag zurückzukehren.

Wichtig bei der Auswahl einer Meditation ist, dass dir die Stimme und das Thema sympathisch sind. Es ist auch gut, sich die Meditation zu Beginn einmal bewusst anzuhören, um später, im Fluss der Praxis, noch besser abschalten zu können. Ich empfehle die gleiche Meditation regelmäßig über einen längeren Zeitraum, z.B. über 3 Wochen, täglich zu hören und erst dann zu einer anderen mit einem anderen Thema zu wechseln. So könnt ihr positive Veränderungen leichter wahrnehmen.

Links zu Meditationen

  • Du kannst zum Beispiel meine Entspannungsmeditation ausprobieren

  • Es gibt wirklich viele gute und kostenlose, geführte Meditationen in YouTube. Lasst euch einfach bei der Auswahl inspirieren.

  • Achtsamkeitsinstitute wie das MBSR (Mind Based Stress Reduction) haben ebenfalls Meditationen auf ihren verschiedenen Homepages.

Ich hoffe, dieser Artikel hat dich inspiriert und ermutigt, Meditation in dein Leben zu integrieren – für dich selbst und für die Welt um dich herum.

Herzlichst
Helga

[1] United Nations: World Meditation Day 21st December.  https://www.un.org/en/observances/meditation-day

[2] Erzeugung von Kohärenz und Harmonie im kollektiven Bewusstsein der Nation: https://transzendentalemeditation.at/der-maharishi-effekt-1-zusammenfassung-1/

[3] AAAS American Association for Advancement of Science: Can group meditation prevent violent crime? Surprisingly, the data suggests yes: New study (2016) https://www.eurekalert.org/news-releases/671086

[4] Theory and research on conflict resolution through the Maharishi effect - David Orme-Johnson, PhD:  https://research.miu.edu/maharishi-effect/theory-and-research-on-conflict-resolution

 

Warum vergeht die Zeit im Alter schneller?

„Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht! Das kann doch nicht schon wieder ein Monat / ein Jahr ... her sein? Wann haben wir uns das letzte Mal gesehen? “ Egal wen ich in meinem Alter treffe, für alle scheint die Zeit schneller dahinzulaufen als früher. Früher, da hatten wir doch mehr Zeit, oder?

Das mit der Zeit ist eine wirklich komische Sache. So exakt man sie messen kann, so vielschichtig und unterschiedlich fühlt sie sich für jeden von uns an: oft erscheint sie zu kurz, mal vergeht sie überhaupt nicht, gelegentlich scheint sie stehen zu bleiben, aber meistens nicht dann, wenn es am Schönsten ist. Und weil auch das Zeitgefühl im Alter eine große Rolle für unser Wohlbefinden und unsere Zufriedenheit spielt, möchte ich dem Phänomen heute nachgehen: Warum vergeht die Zeit immer schneller, je älter man wird? Und wie machen wir mehr aus unserer Zeit?

Take away:

  • Der so genannte Erinnerungseffekt lässt die Zeit lang oder kurz erscheinen – unabhängig vom Alter

  • Wenn Du willst, dass dir die Zeit lang und wertvoll vorkommt, dann raus aus der Routine und immer wieder Neues suchen

  • Etwas machen, das mit Sinn erfüllt

 

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Die Zeit von 60 bis 90 ist genau so lang,
wie die von 30 bis 60 und die von der Geburt bis 30! 

Sind diese drei Abschnitte gleich lang für Dich? Welcher kommt dir am längsten vor?

Auch wenn es meistens heißt, für Kinder dauert die Zeit immer viel länger, mir kommt der Lebensabschnitt von 30 bis 60, also mein Berufs- und Familienleben am weitaus längsten vor. Gefühlt macht er mein Leben aus! Vielleicht, weil er so unglaublich reichhaltig war und damit in meiner Erinnerung einen mächtigen Stellenwert hat! Und trotzdem kommt ja noch ein weiterer ganzer Lebensabschnitt dazu!

Wenn man in Pension geht, hat man noch (etwa) ein Drittel des Lebens vor sich! Das ist eine simple Rechnung und trotzdem sind viele überrascht, wenn ich ihnen das vorrechne. Ja natürlich, wir wissen nicht, ob wir wirklich 90 Jahre oder älter werden und daher macht diese Unsicherheit diesen Lebensabschnitt unberechenbarer als die davor. Umso mehr macht es Sinn, jede Minute leben und nicht nur vergehen zu lassen.

Wirklich spannend finde ich, dass das Alter für mich durch diese Überlegungen zu neuer Bedeutung gekommen ist. (siehe auch Posts Alter ist ein Job, die 5 Säulen für ein vitales & glückliches Alter und Gewonnene Jahre). Und immer wieder taucht die Frage auf, wie erfülle ich diese vor mir liegende Zeit mit Sinn und Lebensfreude, damit sie am Ende auf besondere Weise genau so reichhaltig ist, wie die zwei Abschnitte davor?

WARUM DIE ZEIT ALS ERWACHSENER SO SCHNELL VERGEHT

Die gängige Meinung ist, dass wir die Zeit an unserem Lebensalter messen, dass also für einen 10-Jährigen, ein Jahr 1/10 seines Lebens ist, während es für mich bereits 1/67 ist, also relativ viel weniger. Das mag sein, wichtiger als der Zeitfaktor ist allerdings der Erinnerungseffekt, also was man alles in dieser Zeit erlebt hat und der ist abhängig davon, wie viel Routine, was und wie viel Neues man erlebt hat. Retrospektiv rekonstruieren wir also die Dauer von Zeitspannen auf Basis erinnerter Ereignisse in einem vergangenen Zeitabschnitt. Je mehr wir uns an unterschiedliche Ereignisse erinnern, desto länger schätzen wir den Zeitabschnitt.

Je mehr Routine, desto schneller vergeht in der Erinnerung die Zeit! Mit dem Alter steigt meist der Anteil an Routine ziemlich stark an, während wir immer weniger wirklich Neues erleben. Als Kind und Jugendlicher und auch noch im Beruf, ist man permanent mit Neuem konfrontiert, das man intensiv erlebt und das entscheidenden Einfluss auf unser Leben hatte. Zusätzlich ist aber auch wichtig, dass dieses Neue Bedeutung hat und möglichst Begeisterung auslöst. Natürlich erleben wir im Alter auch Neues, aber nicht immer gewollt und angenehm.

Es mag für andere nur eine Kleinigkeit sein, aber für mich war z.B. das erste Mal Rote Rüben ernten am Bauernhof mit 66 etwas ganz besonders Begeisterndes, weil es mich aus meinen kopflastigen Tätigkeiten herausgerissen hat!

Routine und weniger Neues sind also zwei Faktoren, die uns die Zeit im Rückblick schrumpfen lassen. Zwei weitere Faktoren sind Stress und Anspannung. Sie bewirken, dass uns Ereignisse weniger bewusst bleiben, weil wir sie weniger detailreicher und mit weniger Achtsamkeit erlebt. Und glaubt ja nicht, dass Pensionisten weniger Stress haben!

SO MACHST DU MEHR AUS DEINER ZEIT

Ob wir im Alter die Zeit kurz oder lang empfinden hat also mit Sinn, Bedeutung, Qualität und Ruhe zu tun. Und all das liegt in unserer eigenen Entscheidung!

Wenn wir das zusammenführen, dann scheinen für mich die folgenden 7 Punkte entscheidend dafür, wie ich meinem Leben so viel Qualität gebe, dass ich mich nicht nur im Jetzt, sondern auch in Zukunft rückblickend, darüber freuen kann:

  • Immer wieder aus der Routine ausbrechen und NEUES erleben

  • Begeisterung in diesem Neuen finden, denn „Begeisterung ist der Dünger für unser Gehirn“ (Gerald Hüther)

  • Dinge tun, die für einen Sinn machen. Nach Viktor Frankl ist es existentiell für uns Menschen Sinn zu finden, zu realisieren und zu erleben. Dieser Sinn kommt nicht von außen, sondern den können wir nur in uns finden - das geht in jedem Alter!

  • Keine Zeit im Alter verschwenden mit unwichtigen Dingen oder Dingen und Themen, die man nicht beeinflussen oder ändern kann. Übrigens eine der Empfehlungen aus einer Studie über glückliche Hundertjährige!

  • Achtsam das Jetzt erleben und seine vielen Details aufnehmen

  • Der Vergangenheit Bedeutung geben, etwa durch das Schreiben von Memoiren (siehe Memoiren - mehr als Erinnerung)

  • Sich auch aussöhnen mit jenen Zeiten, die vielleicht nicht so schön waren

Das sind meine Gedanken, die Zeit langsamer vergehen zu lassen. Aber ehrlich, es gibt auch Situationen, da sind wir froh, wenn die Zeit sehr schnell vergeht :)

Herzlichst
Helga

Zu diesem Thema gibt es ein gutes Video
Dr. Derek Muller/Veritasium
Why Life Seems to Speed Up as We Age – can we slow it down? https://www.youtube.com/watch?v=aIx2N-viNwY

 

Gute Haltung ist besser als Botox

 

Wer hätte das gedacht: GUTE KÖRPERHALTUNG ist eines der großen Geheimnisse, um länger und besser zu leben! Schlechte Haltung lässt uns schneller alt aussehen als faltige Haut und kann uns 15 Lebensjahre kosten![1]

Take Aways

  • Schlechte Haltung ist kein Kavaliersdelikt, sondert lässt uns alt aussehen

  • Persönliche Beratung durch einen Physiotherapeuten/-Therapeutin ist kein Luxus, auch wenn man noch keine Probleme hat

  • 5 Haltungs-Tipps

WIE SCHLAMPIGE HALTUNG ZUR NORMALITÄT WIRD

Vor ein paar Tagen habe ich Zwiebeln für das Abendessen geschnitten. Plötzlich tauchen Omas Worte in meinem Kopf auf: G´rad stehen, Helga!Ich kann förmlich den Ton ihrer strengen Stimme hören. Wie ich ihre Ermahnung damals gehasst habe. Aber ganz unwillkürlich beobachte ich meine Haltung: krummer Rücken (obwohl die Arbeitsplatte angenehm hoch ist), die Schultern hinaufgezogen, der Kopf nach vorne geschoben, null Spannung und trotzdem irgendwie verkrampft, schneide ich hastig diese Zwiebeln. Dabei hab ich gar keinen Stress. Was in aller Welt bringt mich zu so einer merkwürdigen Körperhaltung?

Ich gebe es nicht gerne zu, aber Omas Stimme in meinem Kopf war zurecht da. Ich richte mich also auf, lasse bewusst die Schultern hinuntersinken, nehme den Kopf hoch und schneide dann weiter, diesmal locker und zügig. Geht doch! Es fühlt sich definitiv entspannter an. Ich atme tief durch, auch wenn mir das ein paar Zwiebel-Tränen mehr einhandelt.

Diese Erkenntnis war der Auslöser!

In den letzten Tagen habe ich meine Haltung mehrmals bewusst  beobachtet und festgestellt, wie schlampig ich oft sitze, stehe oder gehe. Meistens bin ich dabei in Gedanken versunken oder konzentriert und merke es gar nicht, außer ich richte meine Aufmerksamkeit darauf.

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JETZT SAGE ICH IM STILLEN ZU MIR: „STEH GERADE, HELGA!“

Was mich jedes Mal wieder erstaunt ist, wie angenehm es wirkt, wenn ich meine Haltung ändere, speziell wenn ich mich aufrichte, das Steißbein nach vorne rolle und ganz besonders meine Schultern sinken lasse. Die Atmung wird tiefer und eine innere und äußere Entspannung stellt sich ein. Daher habe ich mir in letzter Zeit mehr und mehr angewöhnt mich selbst anzuspornen: „Steh oder sitz gerade, Helga!“

Ich bin sicher, Ihr kennt auch das: Wenn man einmal den Fokus auf eine Sache legt, sieht man sie überall. Wenn man sich z.B. etwa für ein bestimmtes neues Auto entscheidet, scheint die ganze Welt diese Marke zu fahren, was einem bis dahin gar nicht aufgefallen ist. So ähnlich ist es mir mit meiner Aufmerksamkeit auf Körperhaltung gegangen. Ich beobachte die Menschen um mich herum mit anderen Augen und gebe dem Ausdruck ihres Körpers und damit auch ihrer Person ein neues Gewicht. Und weil ich schlampige Haltung bei so vielen Gleichaltrigen sehe, habe ich das Thema in den Blog aufgenommen.

Einfach gesagt:
Lasst den Kopf nicht hängen!
Es kostet Euch Jahre Eurer Gesundheit!“

WOHER KOMMT DIESE SCHLECHTE HALTUNG?

Wieso verfalle ich in meinem vermeintlichen Normalzustand in diese belastende Haltung, wenn sich die andere - aufrechte - doch so viel besser anfühlt? Früher waren es wohl die körperlich schweren Arbeiten, die zu den verschiedenen Deformationen, etwa der Wirbelsäule, geführt haben. Meine Oma hat stark darunter gelitten, deshalb ihre mahnenden Worte. Heute kommen die Haltungsprobleme primär von unserem modernen Lebensstil: stundenlanges Sitzen vor dem Computer, arbeiten oder spielen mit dem Smartphone, aber auch langes herumlungern auf der Couch vor dem Fernseher. Im Grunde wissen wir das ja alles!



 
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Schlechte Haltung

Hängt mit den kleinen stabilisierenden Muskeln zusammen.

Foto by Stephen Lee

Um mehr zu erfahren frage ich meine Physiotherapeutin.

Es geht um die kleinen, stabilisierenden Muskeln! Die Couch-Potatoe-Haltung über viele Jahre hinweg, bewirkt, dass genau diese nicht aktiviert sind. Unsere Schultern sinken nach vorne, das verkürzt die Muskeln vorne und überstreckt die Muskeln hinten. Und ganz generell verlieren Muskeln, die nicht kontinuierlich trainiert werden, ihre Kraft, ganz besonders die kleinen, die für unsere Haltung so wichtig sind. Einmal trainiert, würden sie verlässlich den ganzen Tag arbeiten. Das geht besonders durch Schwerkraft (also aufstehen, gerade sitzen) sowie durch Balance- und Koordinationsübungen. Man stärkt das Skelett von innen nach außen: zuerst die kleineren und dann nach außen die größeren Muskeln. Wenn die kleinen trainiert sind, kann man auch Verspannungen in der großen vermeiden.

Rückenschmerzen und Kopfschmerzen kennen viele nach langem arbeiten, aber nach neueren Studien geht es weit darüber hinaus. Heute spricht man davon, dass schlechte Haltung bis zu 15 Jahre an Lebenszeit kosten kann, denn die Atmung wird flacher und dadurch gelangt weniger Sauerstoff in den Körper, ganz besonders in den Kopf. Außerdem werden die Organe zusammengepresst, sodass sie in ihrer Funktion behindert werden. Nicht zuletzt ist die Haltung und damit ein stabiles Muskelkorsett, eine der wichtigsten Vorbeugungen vor den gefürchteten Stürzen im Alter.

SCHLECHTE HALTUNG IST KEIN KAVALIERSDELIKT

Wieviel wiegt der Kopf, wenn man ihn aufrecht trägt und wenn man ihn nach vorne neigt, z.B. um etwas am Handy zu lesen? Noch nie darüber nachgedacht? Ich auch nicht, aber vor kurzem hat mich die Antwort dann echt überrascht!

Der Kopf, aufrecht getragen, wiegt ca. 6 kg. Bei 45° Neigung -  die erreicht man schnell einmal, wenn man aufs Handy schaut -  müssen die Wirbelsäule und die Muskulatur bereits mehr als 22 Kilogramm tragen! Und bei 60° Neigung, also beim vertieften Lesen, Streamen oder sonstigem Versinken im Smartphone oder Tablet, sind das satte 27 kg.[3] Das ist deutlich mehr, als unsere samstäglichen Einkäufe für 2 Personen.

Die Symptome, die dabei entstehen, haben bereits einen Namen: „Text Neck (Handy-Nacken)“  Genau das habe ich beim Zwiebelschneiden auch produziert - ohne Handy!

Lass den Kopf nicht hängen ist also mehr als nur eine aufmunternde, sprichwörtliche Aufforderung!

5 HALTUNGS-TIPPS FÜR EINE GUTE HALTUNG

TIPP 1 -    Achtsamkeit - Das Beste ist, wenn Du Dich immer wieder bei den alltäglichen Tätigkeiten beobachtest. Wie stehe, gehe, sitze ich gerade? Wie verändert sich meine Haltung, wenn ich das Handy nehme, am Computer bin, Auto fahre, Zwiebeln schneide, Wimpern tusche? Verändere Deine Position! Das hilft ungemein!

TIPP 2 -    Lernen Deine optimale Haltung kennen – Finde genau jene Positionen bei diesen alltäglichen Situationen, die den Körper maximal unterstützen oder entspannen und zu denen Du immer wieder zurückkehrst, wenn Du Dich ertappt hast. Es gibt dazu jede Menge Anregungen im Internet. Aber, vorher lass Dich von einem/einer Physiotherapeuten*In beraten, damit Du genau das machst, was für DICH das richtige ist. Das ist wirklich kein Luxus! Denn jede und jeder von uns ist anders!

TIPP 3 –   Probiere aus, was verschiedene Positionen bewirken – nimm Deine typische Computerhaltung ein – etwas zusammengesackt, die Schultern hängen nach vorne, der oberen Rücken ist leicht rund, der Kopf ist nach vorne gestreckt. Genau in dieser Position versuche jetzt eine tiefe Bauchatmung zu machen – geht vermutlich nicht. Jetzt dreh den Kopf nach links und rechts. Wie gut geht das? Wie weit kommst Du? Dann nimm Deine ideale Haltung ein und probiere beides  noch einmal. Merkst Du den Unterschied?

TIPP 4 –   Finde deine neue Mitte -  versuche Deine Füße, Knie, Becken, Brustkorb und der Kopf möglichst im Lot einzuordnen. Belaste die Füße vorne und hinten gleich. Schau, dass die Knie nicht überstreckt sind, sondern leicht federnd, aber auch nicht gebeugt. Becken, Brustkorb und Kopf sollen möglichst in einer Linie übereinander sein. Zum Schluss stell dir vor, dass es einen Faden gibt, der Dich beim obersten Scheitelpunkt des Kopfes nach oben zieht. Dann bist Du richtig.
Wichtig: Bewege dich um diese Mitte! Denn es geht ja nicht darum, in dieser neuen Haltung stocksteif durch´s Leben zu gehen.

TIPP 5 -    Zwischendurch ist Lümmeln aber erlaubt – Natürlich darf man sich in einer Entspannungsphase unterstützt fallen lassen (z.B. Polster im Kreuz, einer Lehne, oder was immer sich gut anfühlt.), aber komm immer wieder zurück in Deine neue Mitte.

Aber ganz wesentlich hängt die körperliche Haltung auch mit unserer inneren, emotionalen Haltung zusammen. Über den Körper zeigen wir unmissverständlich, wie wir gerade drauf sind und wie wir durchs Leben gehen. Meine, seit Jahrzehnten praktizierende, Physiotherapeutin bringt es auf den Punkt: „Glückliche Menschen, die mit sich zufrieden sind, haben automatisch eine aufrechtere Haltung. Andererseits kann eine gute Haltung auch mehr Selbstbewusstsein erzeugen und glücklichere Menschen machen!

In diesem Sinn: „Steh grade - geht doch!“

Herzlichst
Helga

 

[1] Dr. Ryan Wohlfert  in Younger, Longer the Insiders Health Summit 2021 by Brian Vaszily; 20.-26.1.2021- “Prevention and reversing cognitive decline – upgrade your brain, energy and longevity”

[3] https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/wer-staendig-auf-sein-handy-starrt-riskiert-laengerfristig-rueckenschaeden/